MitGehFühl… Gehmeditation am KuDamm

Jeder Schritt ist wertvoll.

Das Netzwerk Achtsame Wirtschaft e.V. hatte gerufen, eine Menge Menschen sind gefolgt… Dr. Kai Romhardt hat in Plum Village bei Thich Nhat Hanh gelernt wie es geht… das mit der Gehmeditation…   Heute in der kleinen braunen Kutte der buddhistischen Mönche und festen Schuhen unterwegs, schreitet er achtsamen Schrittes vor uns her.

Ich folge und atme, achte auf meine Schritte, den Boden unter meinen Füßen… Lächeln. Mögen alle Schritte glücklich sein. Auf Buddhas Schritten sollen Lotusblumen gewachsen sein. Ob das auch auf Berliner Strassenpflaster klappt?

Mögen alle Wesen glücklich sein. Lächeln. Atmen. Weiter gehen.

Die Geräusche der Stadt filtern durch den nasskalten Schneeregen und durch meine Kapuze. Ich sehe Dinge – die ich sonst, wenn ich eiligen Schrittes, ein klares Ziel vor Augen, in Eile unterwegs bin – nicht wahrnehme. Wie viele Zigarettenkippen auf der Strasse liegen! Die Scherben einer Wodkaflasche… Zeugen von letzter Nacht.

Wir gehen gemessenen Schrittes durch eine schmale Gasse auf den Rückseiten der kleinen Cafés in den S-Bahn Bögen. Eine kleine Kiste frischer Kräuter steht auf einem Tisch und wartet darauf, ihren Duft in der Küche zu entfalten, daneben der Pausenplatz der Mitarbeiter, umringt von kaputten Barhockern…

Einatmen… ausatmen… lächeln… die Steine unter meinen Füßen glänzen uneben.

Am KuDamm sind viele Menschen. Gesprächsfetzen, hupende Autos, Busse. Ein Obdachloser hockt in einer Toreinfahrt. Er lächelt und lädt die Passanten ein, dasselbe zu tun. Der Weihnachtsmarkt duftet und leuchtet. Ich habe keinen Hunger und keinen Durst. Meine Hände und meine Füsse sind warm. Mir fehlt nichts zum Glücklichsein.

Wir gehen hintereinander her. Keiner scheint uns zu beachten. Wir fügen uns in den Strom. Wir sind der Strom. An der Ampel ein Augenblick des Zögerns… manche bleiben stehen, andere gehen noch bei dunkelgrünrot. Auf der anderen Seite beginne ich die Gesichter der Passanten genauer zu sehen. Besonders die Mundwinkel der Menschen. Sonst achte ich nicht darauf. Heute ist es anders.

Ecke Knesebeck Strasse bleiben wir alle stehen. Hier läutet nach einer Stunde die Glocke der Achtsamkeit das Ende der diesjährigen öffentlichen Gehmeditation ein.

Die Einladung zu einer Tasse Tee bringt uns in den ersten Stock in das Zentrum für Seelische Gesundheit.

Schuhe ausziehen…

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Grosser Dank an alle…

Bis zum nächsten Jahr: am Samstag vor dem ersten Advent.

Notiert.

 

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